Regiekommentar

Ich liebe, also spinn ich.

Die Liebe ist für mich Paradox und Faszination zugleich. Bereits im Kinderkino lernte ich, dass die Liebe immer siegt und dass ein edler Ritter stets um seine Prinzessin kämpft, selbst wenn diese 100 Jahre darauf warten muss. Mit Mitte Zwanzig hatte ich dann meinen eigenen Ritter gefunden. Dachte ich. Denn nach ein paar glücklichen Jahren zu zweit war das happily-ever-after schon rum und ich wurde ausgespuckt in eine Welt, die sich weitergedreht hatte. Das Leben als Single war überflutet worden von Angeboten und unbegrenzten Möglichkeiten. Überall gibt es mittlerweile alles – und das dazu ganz unverbindlich. In der heutigen Schnelllebigkeit hat kaum jemand mehr Zeit, auf den Richtigen zu warten. Und der Mut, einfach mal sein Pferd zu satteln und um seine Angebetete zu kämpfen, ist bei den vielen Sonderangeboten fürs schnelle Glück offenbar verloren gegangen.
Ich allerdings wollte meinen Glauben an die Liebe nicht einfach so aufgeben. Deshalb realisierte ich den Film BEAT BEAT HEART, um die Hoffnung und auch die Sehnsucht zu erkunden.

Nie wartete ich so aktiv wie damals, als ich liebte.

Der Film ist wie ein Kaleidoskop der Sehnsucht. Das 30-seitige Handbuch, das ich für den Dreh im vergangenen Jahr schrieb, war angeordnet wie ein Experiment: Ich wollte verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen zur Liebe an einem fiktiven Ort zusammenbringen, um herauszufinden, wie Beziehungen in der heutigen Zeit denn überhaupt noch funktionieren können und was nun der richtige Umgang mit der lieben Sehnsucht war. Die Frauen und Männer in BEAT BEAT HEART gehen daher Wege und erleben Dinge, die ich in der Single-Welt entweder selbst erlebt oder eben beobachtet habe: Sie stürzen ab und sich hinein. Sie träumen und sie warten. Sie halten fest und lassen los. Und dann warten sie nicht mehr und hoffen dabei immer wieder auf‛s Neue, dass sich ihre heimliche Geduld doch noch irgendwann auszahlt.
BEAT BEAT HEART ist eine improvisierte Komödie über die Liebe und die Sehnsucht. Sie spielt mit den romantischen Vorstellungen, die wir seit unserer Kindheit in uns tragen und verdrängen müssen, wenn wir älter werden. Denn wer heute noch an die Liebe glaubt, muss wohl verrückt sein.

(Luise Brinkmann 2016)